Eine Kirche zieht um…
2 Tage, knapp 700 Tonnen Holz und Stein und Glas und Skulpturen, 224 Räder, 0,5km/h, 5 Kilometer… das sind nur ein paar imposante Eckdaten vom „Jahrhundertprojekt“ Kirchenumzug in Kiruna.





Der Kiirunavaara wurde 1696 erstmals schriftlich erwähnt, doch lohnte sich ein Erzabbau trotz des reichen Vorkommens lange Zeit nicht. Der Fundort war zu weit abgelegen in einer unwirtlichen Umgebung und das phosphorhaltige Erz konnte mit den damals zur Verfügung stehenden Technologien nicht verarbeitet werden. Das Erzvorkommen wurde erst mit der Erfindung des Thomas-Verfahren in den 1870er Jahren interessant, denn damit konnten auch phosphorhaltige Erze verarbeitet werden. Nachdem die schwedische Erzbahn fertiggestellt war, begann im Jahre 1900 der Abbau im industriellen Stil. Mit der geplanten Erweiterung des Abbaus in Richtung Norden wurde im Juni 2010 beschlossen, die Stadt fünf Kilometer nach Osten zu verlegen
Quelle: Wikipedia
„wurde im Juni 2010 beschlossen, die Stadt fünf Kilometer nach Osten zu verlegen“ was sich in so ein paar wenigen Worten aufschreiben läßt, ist natürlich alles andere als einfach. Die Logistik dahinter und die Planung muß ein Riesenaufwand sein – sich aber lohnen, denn sonst hätte die LKAB als Betreiberin des Bergwerkes das nicht initiiert (auch wenn der schwedische Staat natürlich involviert ist). https://lkab.com/en/community-development/lkab-in-kiruna/

Das Eisenerzbergwerk Kiruna liegt südwestlich der Stadt. Es ist das wichtigste Bergwerk der LKAB (Luossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag) und gilt als weltgrößtes Eisenerz-Bergwerk. Die Grube gewinnt im Teilsohlenbruchbau aus dem Erzberg Kiirunavaara hochwertigen phosphorhaltigen Magnetit.
Etliche Gebäude wurden/werden im Rahmen der Verlegung umgezogen, weil sie historisch interessant und/oder wertvoll sind. So auch die Kirche. Sie ist der größte Brocken in dem Umzugsprojekt. Es ist schon wahnsinnig, was Ingenieurskunst so ausrichten und umsetzen kann.

Ich war beide Tage als Zuschauerin dabei und ganz fasziniert von der Technik und der Logistik. Was über Jahre geplant und vorbereitet wurde, findet seinen (vorläufigen) Abschluß am 19. und 20.8.2025.
In der Bewegung braucht man schon einen Fixpunkt, um überhaupt zu sehen, daß die Kirche sich wirklich bewegt:
Ein paar Eindrücke zum Nachlesen…
https://polarkreisportal.de/start-am-dienstag-kirunas-kirche-bereit-zum-umzug
https://www1.wdr.de/nachrichten/schwedische-historische-holzkirche-zieht-um-100.html
https://www.svtplay.se/den-stora-kyrkflytten (Video, schwedisch, aber trotzdem sehenswert)
Mit dem Umzug ist das Projekt natürlich nicht abgeschlossen. Der neue Platz muß gestaltet werden, das neue Stadtzentrum muß fertiggestellt und „mit Leben“ (im Moment wirkt es noch ziemlich steril, was nicht nur an den Baustellen liegt) gefüllt werden. Es dürfte interessant sein, in ein paar Jahren hier noch einmal herzukommen, um zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.
